Punkte oder Rabatt?

Früher war alles besser, zumindest in Hinblick auf die Zahlvorgänge an den Kassen dieser Welt. Man zeigte was man käuflich erwerben wollte, bekam den Preis dafür gesagt, es wurde zusammengerechnet und abkassiert und man konnte wieder gehen. Bei besonders redseligen Personal gab es noch eine freundliche Begrüßung und Verabschiedung dazu, mehr brauchte und wollte man auch nicht.

Heute ist das Kassenpersonal zu lebenden Litfaßsäulen geworden. Wo man früher bereits durch die ständigen Fragen nach Rabattkarten, und ausführlichen Erklärungen zu dessen angeblichen Vorteilen belästigt wurde, gibt es heute quasi das »All Inklusive Paket« der kommerziellen Gehirnerweichung. An der Supermarktkasse die Frage ob man Rabattpunkte sammelt, vielleicht noch eine Zeitschrift dazu nehmen, oder Bargeld abheben möchte. An der Tankstelle gibt es im Moment besonders günstig Twix, worauf die Kassenangestellte auch Wort- und Gestenreich hinweisen muss. Das dieses »günstig« sehr relativ zu betrachten ist und es ein paar Straßen weiter für weniger Geld eine ganze Familienpackung gibt, wird selbstverständlich dezent verschwiegen. Mineralöl-Hökerer waren aber ja noch nie für ein besonders gutes Preis-Leistung-Verhältnis bekannt.

Und auch die scheinhelige Frage ob man Punkte oder Rabatt wünscht, dient letztlich ebenfalls als Einstieg um.. naja, ihr wisst schon, Karten und Mitgliedschaften usw. Fast schon so schlimm wie einen dieser abgebrannten Typen von einer Drückerkolonne vor der Tür stehen zu haben, die alle paar Jahre wie eine Plage über das Land kommen. Nur kann man denen die besagte Tür einfach vor der Nase zuschlagen und sich damit bequem des Problems entledigen. Bei aufdringlich Verkaufspersonal – das von solch unsinnigen Anweisungen aus der Geschäftsetage übrigens genauso genervt ist wie die Kunden – funktioniert dies leider nicht.

Was allerdings sehr wohl Wirkung zeigt ist, seinem Unmut in deutliche Worte zu fassen. Ruhig so laut, dass ebenfalls wartende Personen hinter einem mitbekommen worum es in diesem Gespräch geht. So war erst kürzlich ein Angestellter der Post der Meinung, meine Wartezeit am Schalter für seine Belange nutzen zu müssen. Denn während seine Kollegin damit beschäftigt war die Daten meines Pakets in den Computer zu übertragen, kam er an den Tresen geschlendert und wollte wissen bei welcher Bank ich sei und was ich dort im Monat bezahle. Mein recht deutlicher Hinweis das ihn das so ziemlich genau überhaupt nichts angehe, und das es er sich sehr viel nützlicher machen könnte, wenn er einfach einen weiteren Schalter aufmachen, und damit die lange Schlange hinter mir abbauen könnte, brachten die perfekt einstudierten Gesichtszüge recht schnell zur vollständigen Entgleisung. Der nachgeschobene Tipp das ich meine Pakete auch zu Hermes bringen könnte, wo man mich an der Kasse nicht vollgequatscht würde, gab ihn dann aber wohl den Rest. Jedenfalls öffnete er zum Leid der hinter mir noch immer wartenden Kunden keine neue Kasse, sondern verschwand zurück in seinen kleinen, durch Sichtschutzwände abgetrennten Postbank-Bereich.

Punkte oder Rabatt? Ihr könnt mich mal!

0 Kommentare

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.